ERFOLGE FEIERN: EIN INTERVIEW MIT EILEEN YEO, GESCHÄFTSFÜHRERIN VON
MARIONNAUD FRANKREICH

Estée Lauder sagte einmal: "Ich habe nie vom Erfolg geträumt. Ich habe dafür gearbeitet." Um starke Frauen in allen Bereichen zu feiern, sprachen wir mit Eileen Yeo, Geschäftsführerin von Marionnaud Frankreich, und befragten sie zu ihrer bisherigen Karriere und zu ihren Erfahrungen als erfolgreiche Frau im Jahr 2016.
Können Sie uns ein wenig über Ihre Aufgabe und Ihren Geschäftsalltag erzählen?
Als Geschäftsführerin trage ich die Gesamtverantwortung für die Leitung des Unternehmens. Mein Geschäftsalltag besteht aus einer großen Zahl an operativen Belangen, etwa dafür zu sorgen, dass die Läden immer über ausreichende Bestände verfügen, den vorangegangen Tag zu prüfen und gemeinsam mit dem Marketing-Team abzuklären, was gut funktioniert hat und wo es Raum für Verbesserung gibt. Ich achte aber sehr bewusst darauf, über all den Kleinigkeiten nicht das Wesentliche zu übersehen und reserviere mir Zeit im Tagesablauf, um über Strategien, globale Trends im Einzelhandel und die Entwicklung der Konkurrenz nachzudenken

Wo haben Sie vor Marionnaud gearbeitet?
Bevor ich 2013 zu Marionnaud ging, war ich 17 Jahre im Investment-Banking tätig! Ich war drauf und dran, mir eine Auszeit zu nehmen und Kunst zu studieren, als man mir diese Aufgabe anbot. Die Lernkurve war steil (als ich nach Frankreich zog, sprach ich beispielsweise überhaupt kein Französisch), aber ich habe die Herausforderung genossen.


Wie erleben Sie als erfolgreiche Frau in Ihrem Bereich die Bedeutung Ihres Geschlechts für Ihren Erfolg? Hatten Sie je das Gefühl, dass die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, Ihrer Karriere im Wege steht?
Ich für meinen Teil hatte nie das Gefühl, dass mein Geschlecht von Bedeutung wäre, aber ich war immer sehr stark auf meine Karriere ausgerichtet. Ich glaube allerdings schon, dass Frauen es in der Wirtschaft ganz allgemein schwerer haben. Frauen fühlen sich oft von Natur aus verpflichtet, die Familie in den Vordergrund und die eigene Karriere hintanzustellen, sie nehmen sich zurück und richten ihr Hauptaugenmerk auf ihre Kinder. Ich glaube, dass jede Frau das Recht hat zu entscheiden, was für sie am besten ist.
Ich halte es für wichtig, dass den Menschen bewusst ist, mit welchen Schwierigkeiten eine Frau in der Wirtschaft zu kämpfen hat. Ich bin jedoch ebenso sehr überzeugt, dass Frauen manchmal nicht um die Anerkennung kämpfen, die sie verdienen. Sheryl Sandberg, COO von Facebook, sagt beispielsweise, Frauen müssten "an den Tisch kommen", nicht länger im Hintergrund bleiben. Irgendwie warten wir darauf, dass wir von anderen Anerkennung erhalten, aber wir sollten selbst aktiv auf diese Anerkennung hinarbeiten.

Konnten Sie seit Beginn Ihrer Karriere Änderungen in der Wahrnehmung von Frauen in der Wirtschaft feststellen?
Um ehrlich zu sein, ich glaube nicht, dass sich viel verändert hat, oder zumindest habe ich nichts davon gemerkt.
Wer oder was inspiriert Sie und warum?
Ich würde sagen, meine Kolleginnen. Vor allem in der Bankbranche erlebte ich oft, dass Kolleginnen ihre Familienzeit ihrer Karriere opferten – die Finanz kann Männerdomäne sein, aber sie arbeiteten sich vor und ich empfinde dafür großen Respekt.


Gibt es Bereiche im Wirtschaftsleben, wo man Ihrer Meinung nach mehr für die Gleichstellung der Geschlechter tun könnte?
Ich denke, entscheidend ist eine gute Personalpolitik, die Mütter unterstützt. Ich kenne bereits viele Top-Unternehmen im Bereich Technologie, die Veränderungen bei Dingen wie geteiltem Elternurlaub vornehmen, was Frauen wirklich helfen kann, eine Auszeit für die Familie als in Ordnung zu empfinden.
In unserer Branche gibt es von Natur aus mehr Frauen als in den meisten anderen, aber die Mehrheit der Führungspersonen sind Männer, vielleicht sollten wir also mehr Frauen ermutigen, Führungsrollen zu übernehmen. Mein ehemaliger Dienstgeber startete eine großartige Personalinitiative, bei der ehemalige weibliche Banker, die zugunsten der Familie ausgeschieden waren, angesprochen wurden. Interessanterweise waren viele dieser Frauen nach 5 bis 6 Jahren bereit, ihre Arbeit wieder aufzunehmen, und das Unternehmen verstand und schätzte das sehr.

Was gibt Ihnen im Leben das Gefühl, stark zu sein?
Herausforderungen, nehme ich an. Und ein Chef, der darauf vertraut, dass ich meine Arbeit gut machen werde, und mir die Freiheit lässt, es zu tun.
Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die auf eine Karriere in Ihrem Bereich hoffen?
Befolgen Sie Sheryl Sandbergs Rat und kommen Sie an den Tisch. Ergreifen Sie eine Gelegenheit, die sich bietet, warten Sie nicht, bis einer der Jungs Sie Ihnen wegschnappt!